Amateurtheater Laientheater Köln

1000 Geschichten, ein Kollektiv.

Im Mai 2025 haben wir aus über 200 spannenden Bewerber*innen das 1000&Ein Kollektiv gegründet. Unser Kollektiv vereint migrantische, queere, neurodiverse und allem voran kreative Menschen in einer gemeinsamen Sache. In einer Zeit, in der besonders hasserfüllte Stimmen den gesellschaftlichen Diskurs übertönen, amplifiziert unser Kollektiv die Stimmen unserer diversen Lebensrealitäten und erhält so eine eigene. Damit schaffen wir eine Plattform für genau die Themen, denen wir sonst selten genug Platz zugestehen.

In einem 7-monatigen Bootcamp Programm, das aus Wochenendworkshops bestand, konnten wir die Mitglieder aus- und weiterbilden. Als Abschluss dieses Programms wurde das Stück TERRORIST*INNEN entwickelt, das in sechs ausverkauften Vorstellungen über 900 Menschen besucht haben. 

Gefördert wurde der Aufbau unseres Kollektiv vom NRW Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration und der Imhoff Stiftung.

Das Kollektiv bereitet sich momentan auf eine Umstrukturierung vor. Weitere Informationen hierzu werden bald veröffentlicht.

Kollektivmitglieder

© Marcello Bartolotta

Hebûn Jîn Ertaş

Kollektivmitglied & Gründerin Theater Colonia

33 Jahre alt | (sie/ihr) | Sprachen: Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Englisch und Aserbaidschanisch

Diverses Theater macht Stimmen aus unterschiedlichen Hintergründen sichtbar, fördert inklusive Besetzungen und schafft vor allem Schutzräume.

Was machst du beruflich und was ist dein Bezug zum Theater?

Ich habe Sozialwissenschaften studiert, arbeite beim WDR und bin außerdem leidenschaftliche Hobbyfotografin. Seit meiner Kindheit träume ich davon, auf der Bühne zu stehen. Theater, Musik und Aktivismus begleiten mich seit vielen Jahren. Mit diesem Kollektiv habe ich einen Raum mitgegründet, in dem wir gemeinsam mit gleichgesinnten Herzen Diversität und Vielfalt auf den Bühnen fördern und sichtbar machen.

Warum ist dir Diversität wichtig?

Diversität ist nicht nur wichtig, sie prägt mein Leben schon seit meiner Kindheit. Als Kurdin, aufgewachsen in einer ultranationalistischen Region, wurde ich häufig diskriminiert; in Deutschland verstärkte sich das Gefühl, anders zu sein, wodurch sich mein politisches Bewusstsein geschärft hat. Meine Identität ist stark mit dem Gefühl verbunden, gehört zu werden – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialem Hintergrund.

Deine Traumvorstellung: Wie sieht diverses Theater aus?

Vor allem bedeutet Diversität im Theater, marginalisierte Perspektiven sichtbar zu machen und allen zuzuhören. Unterschiedlichkeit ist keine Schwäche, sondern die Grundvoraussetzung für Solidarität, Chancengleichheit und eine funktionierende Demokratie. Genau aus diesen Gründen fördere ich durch mein Engagement bei Theater Colonia inklusive Besetzung, erhöhte Repräsentation und Räume, in denen unterschiedliche Realitäten gehört und ernst genommen werden.

© Marcello Bartolotta

EINA WELSCH

Kollektivmitglied & Mitarbeit im Ressort Kooperationen & Netzwerke

25 Jahre alt | (they/er/es/sie) | Sprachen: Deutsch und Englisch

Das Theater meiner Träume bietet unter anderem Untertitel, Audiodeskription, Übersetzungen und Gebärdendolmetscher sowie Relaxed Performances, zugängliche Räumlichkeiten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und ausreichende Triggerwarnungen.

‚Nothing about us without us!‘

Was machst du beruflich und was ist dein Bezug zum Theater?

Ich bin aktuell in der Schauspielausbildung und spiele seit meinem sechsten Lebensjahr im Kinder- und Jugendtheater und mache Ballett.

Warum ist dir Diversität wichtig? 

Als neurodiverse und genderqueere Person ist Existenz für mich Aktivismus. „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.“

Ich habe nur zwei Optionen: Ich zu sein und für meine Rechte zu kämpfen oder zu verschwinden. Deswegen kämpfe ich jeden Tag dafür, „die Pfeile des Schicksals [nicht länger] zu ertragen, [sondern] die Waffen gegen ein Meer von Leid zu ergreifen und durch Widerstand sie zu beenden.“ Ich wusste lange nicht, warum ich Dinge, die anderen total leichtfallen, nicht kann, weswegen mir sehr wichtig ist, dass Hilfen und Unterstützungen für alle verfügbar sind, nicht nur für diejenigen, die eine passende Diagnose haben.

Mir wird immer wieder gesagt, ich solle egoistischer sein und mich zuerst um meine Bedürfnisse kümmern, aber die Bedürfnisse aller schließen meine Bedürfnisse ein, und dass es meinen Mitmenschen gut geht, ist auch eines meiner Bedürfnisse. Ich will keine Extrawurst, ich will, dass alle satt werden.

Deine Traumvorstellung: Wie sieht diverses Theater aus?

Dass jede*r sich auf der Bühne repräsentiert sehen kann, ist nur der erste Schritt. Es muss auch jede*r am Theater teilhaben können, auf und hinter der Bühne wie im Zuschauerraum. Und das alles muss in Zusammenarbeit mit den Betroffenen entstehen, zu lange wurde über uns, statt von uns erzählt und zu lange wurden uns Hilfen angeboten, die gar nicht helfen.

© Hebûn Jîn Ertaş

Nele Meret Fischer

Kollektivmitglied

24 Jahre alt | (they/sie) | Sprachen: Deutsch und Englisch

Diversität ist für mich oft eine leere Hülle, wenn damit um sich geworfen wird. Deshalb freue ich mich, den Begriff mit neuen Gefühlen und Beziehungen zu füllen.

Was machst du beruflich und was ist dein Bezug zum Theater?

Ich arbeite bei einem queeren Bildungsprojekt. Ehrenamtlich geben wir Workshops an Schulen für geschlechtliche, sexuelle und romantische Vielfalt. Ich performe und schreibe Spoken Word über Queerness, Community, strukturelle Diskriminierung, deutsche Verantwortung und Erinnerungskultur.

Warum ist dir Diversität wichtig?

Mit Diversität wird es zwar manchmal holprig, kompromissreich und viel Selbstreflexion ist erforderlich – dafür entsteht aber die Möglichkeit zu echter Gemeinschaft, Liebe und Fürsorge. Diversität ist mir wichtig, weil wir ohne Diversität in einer traurigen, einsamen Bubble leben, die womöglich auch noch ausbeutet, um eine Bubble zu bleiben.

Ich fördere Diversität, indem ich mich da ins Rampenlicht stelle, wo meine nichtbinäre, queere Perspektive fehlt, und da im Background dance, wo meine Siblings einen menschengroßen Baum brauchen, um als Hauptrolle zu shinen.

Deine Traumvorstellung: Wie sieht diverses Theater aus?

Meine Traumvorstellung von diversem Theater ist, keine Angst davor zu haben, bestimmte Geschichten auf die Bühne zu bringen. Money und Aufmerksamkeit an alle krassen politischen Theatermäuse, die es schon gibt, damit sie mehr davon machen können. Eine Welt, die internationalen Kooperationen keine Grenzen in den Weg stellt!

© Marcello Bartolotta

Ibtisem Midani

Kollektivmitglied & Gründerin Theater Colonia

33 Jahre alt | (sie/ihr) | Sprachen: Deutsch, Arabisch, Englisch und Französisch

Ich möchte, dass Diversität gelebt wird und nicht zu einem weiteren Trendwort ohne Bedeutung wird.

Was machst du beruflich und was ist dein Bezug zur Kunst?

Ich habe BWL studiert und arbeite im Personalwesen. Gemeinsam mit Freund*innen habe ich das Kollektiv gegründet, um Diversität und Vielfalt zu fördern. Bereits in der Schule hatte ich erste Berührungen zum Theater und habe lange im Chor gesungen. Künstlerischer Aktivismus ist seither für mich selbstverständlich und heilend.

Warum ist dir Diversität wichtig?

Diversität bedeutet für mich, dass unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Sprachen, Perspektiven und Lebenswege selbstverständlich nebeneinander existieren dürfen, ohne dass sich jemand anpassen muss, um dazuzugehören. Es geht für mich nicht nur um Repräsentation, sondern um echten Austausch, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft, voneinander zu lernen. Vielfalt ist kein Hindernis sondern pure Stärke.

Deine Traumvorstellung: Wie sieht diverses Theater aus?

Die Geschichten auf der Bühne spiegeln reale Lebenswelten wieder, nicht nur die einer Mehrheitsgesellschaft. Menschen aus marginalisierten Gruppen stehen authentisch repräsentiert auf der Bühne und sind auch in Regie, Dramaturgie usw. vertreten. Dafür müssen alte weiße Denkweisen und immer noch vorhandene Grenzen aufgebrochen werden, damit neue Perspektiven sichtbar werden. Unsere Perspektiven. Diverses Theater ist für mich ein Ort an dem sich alle wiederfinden, unabhängig von Sprache, Herkunft, Status oder Sexualität.

© Hebûn Jîn Ertaş

Renée Michelle Touschong

Kollektivmitglied  

29 Jahre alt | (sie/ihr) | Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch 

Unterschiede wertschätzen, Barrieren abbauen und Machtverhältnisse kritisch reflektieren!

Was machst du beruflich und was ist dein Bezug zum Theater?

Als pädagogische Fachkraft leite ich ein Team von Schulbegleiter*innen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und Unterstützungsbedarf. Ich stehe seit über 12 Jahren auf der Bühne: als Statistin, im Unitheater, in verschiedenen Ensembles und jetzt im Kollektiv (und nicht zu vergessen, ganz früher im Urlaub im Mini-Club! :D). Hier durfte ich von klassisch bis modern, von Don Carlos bis experimentelles Wohnzimmertheater gefühlt schon einmal alles mitnehmen. Genug werde ich aber glaube ich nie bekommen!

Warum ist dir Diversität wichtig?

Ich fördere Diversität, indem ich bewusst Raum für marginalisierte Perspektiven schaffe und auf Repräsentation achte. Für mich bedeutet das sowohl zurückzutreten, um anderen Stimmen Platz zu geben, als auch laut zu werden, wenn diese Stimmen müde geworden sind vom ständigen Erklären und Kämpfen. Ich höre zu, lerne weiter, reflektiere eigene Privilegien und unbewusste Denkmuster und setze mich privat und beruflich für inklusive Strukturen ein.

Deine Traumvorstellung: Wie sieht diverses Theater aus?

Im diversen Theater prägen vor, auf und hinter der Bühne unterschiedlichste Stimmen sowohl Inhalt als auch Umsetzung. Die gesamte Bandbreite menschlicher Erfahrungen wird sichtbar und hörbar – nicht nur um mehr Akzeptanz zu schaffen, sondern auch, um uns alle in all unserer Vielfalt zu zelebrieren!

© Hebûn Jîn Ertaş

Sİbel İnceoĞlu

Gründerin Theater Colonia, Gründerin und Leiterin des 1000&Ein Kollektivs 

(sie/ihr) | Sprachen: Deutsch, Türkisch, Englisch, Französisch 

Unsere Freizeit darf kein bloßer Rückzugsort mehr sein.

Was machst du beruflich und was ist dein Bezug zum Theater?

Nach meinem Psychologiestudium habe ich mich dem Theater zugewandt und eine Schauspielausbildung in Istanbul absolviert. Zurück in Köln habe ich gemeinsam mit wundervollen Menschen Theater Colonia und das 1000&Ein Kollektiv gegründet.

Warum ist es dir wichtig laut zu werden?

Deutschland verändert sich. Das Land, das meine Heimat ist, und zwar nicht nur auf dem Pass, sondern auch im Herzen, zeigt ein Gesicht, das zunehmend hässlicher wird. Mir ist klar geworden, dass das Teilen von Beiträgen, Supporten von Petitionen und Demonstrationen längst nicht mehr reichen, um dieses Gesicht zurückzudrängen und unsere Demokratie zu schützen. Wir müssen handeln. Unsere Freizeit darf kein bloßer Rückzugsort mehr sein, sondern muss Raum für Engagement und Widerstand schaffen. Jede*r muss sich fragen, mit welchen persönlichen Ressourcen und Stärken er oder sie diesen Widerstand effektiv stärken kann.

Ich habe mich dazu entschieden, meine Stimme gemeinsam mit einem starken, spielwütigen Kollektiv einzusetzen, das etwas zu melden hat. In einer Zeit, in der rechte Diskurse versuchen, unter anderem kulturelle Räume zu vereinnahmen, ist ein diverses Theaterkollektiv weit mehr als ein künstlerisches Projekt: Es ist ein demokratisches Statement. Unsere Lebensrealitäten, Sprachen und Körper auf der Bühne sind die Antwort auf die von rechts propagierte Idee einer homogenen Nation oder die eines Stadtbildes…

Deine Traumvorstellung: Wie sieht diverses Theater aus?

Authentisch und ohne weißen Filter. Zu oft spüre ich, wie Texte, Emotionen oder die Wahl und Nichtwahl von Themen auf ein weißes Publikum zugeschnitten sind. Wenn ich könnte, würde ich von einer Bühne träumen, die marginalisierte Perspektiven nicht nur abbildet, sondern ganz ihnen gehört. Aktuell habe ich jedoch, wie viele andere auch, vorher einen anderen Auftrag: Ich muss von einem Theater träumen, das Herzen erreicht, bevor Parolen es tun, und Menschen klarmacht, dass Schweigen und Wegsehen nichts anderes sind als Mitmachen.

Mitglieder im Passivstatus

Linus Gomolka, Jana Münster, Ziyaeddin Özşen

Ehemalige Mitglieder 2025 – 2026

Milena Chotjaturat, Eda Kurt, Kevin Leske, Kim Lana Westhagenmann, Lavinia Zubanovic

Referent*innen des Kollektivs

BURÇİN KESKİN

Sprech- & Stimmtraining, Atemtechniken

© Steffen Weixler

MIRIAM MEISSNER

Ensemble Übungen & Kollektivistisches Arbeiten

SELDA SELBACH

Projektmanagement

 

© Kai-Uwe Paulen Krake

SİBEL İNCEOĞLU 

Ensemble Übungen & Kollektiv Leitung

© Hebun Jîn Ertas

BABAK GHASSIM

Kulturpate, Autor & Dramaturgischer Berater

© Maximilian Wies

DANNY FRIEDRICH

Performance Theater & Diversity

© Rene Golz