Beschreibung
Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen
Keine Regie. Keine Proben. Kein Vorwissen über den Text.
Bassam Ghazi betritt die Bühne, öffnet erstmals den versiegelten Umschlag und entdeckt den ihm bis dahin völlig unbekannten Text gemeinsam mit dem Publikum live im Moment der Aufführung. Nach diesem Abend darf er das Stück nie wieder spielen.
Eine Geschichte, die im Iran beginnt
Der iranische Autor Nassim Soleimanpour schrieb das Stück 2011 aus der Isolation heraus. Als Wehrdienstverweigerer wurde ihm der Reisepass entzogen und er durfte sein Land nicht verlassen. Als Reaktion darauf schrieb er einen Text, der ausdrücklich ohne seine Anwesenheit und ohne Regie funktionieren und mit dem Publikum überall auf der Welt in den Dialog treten sollte. Er steckte seinen Text in einen Umschlag und schickte ihn hinaus in die Welt. Seitdem wurde das Stück in 50 Ländern in mehr als 30 Sprachen gespielt.
Ein weltweites Theaterphänomen
Heute gilt „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ als das meistgespielte Theaterexperiment überhaupt. Über 3000 Personen, darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie Sandra Hüller, Whoopi Goldberg und Christoph Maria Herbst, haben sich dieser spannenden Herausforderung bereits gestellt.
Ein Spiel mit Vertrauen und Gehorsam
Inhaltlich ist das Stück eine hochspannende Mischung aus feinem Humor, psychologischer Tiefe und gesellschaftskritischer Fabel. Nassim Soleimanpour nutzt die Stimme des Darstellers, um Themen wie Freiheit, Zensur und die Verweigerung individueller Entscheidungen unter einem autoritären Regime zu untersuchen.
Die Unkenntnis des Textes und Ablaufs macht das Stück nicht nur in seinem Format zu einem Theaterexperiment; gleichzeitig verhandelt es auch auf inhaltlicher Ebene ein metaphorisches Experiment: Durch eine Fabel über Kaninchen und Geparden werden Konditionierung, Macht und Gehorsam live auf der Bühne untersucht.
Bassam Ghazi
Bassam Ghazi ist Regisseur, Stadtdramaturg und eine prägende Stimme des postmigrantischen Theaters in Nordrhein-Westfalen. Er verantwortete die künstlerische Leitung der partizipativen Sparten am Schauspiel Köln (Import Export Kollektiv) sowie am Düsseldorfer Schauspielhaus (Stadt:Kollektiv). Für seine Inszenierung „Solingen 1993“ wurde er gemeinsam mit Birgit Lengers 2024 mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Genrespringer ausgezeichnet. Nach internationalen Stationen von Beirut bis Tokio bringt der Regisseur, der sich intensiv mit biografischen und diversen Geschichten auseinandersetzt, seine Perspektive nun auf die Bühne des Kölner Kulturbunkers. Dabei tauscht er die gewohnte Regie-Rolle gegen die absolute Unvorhersehbarkeit dieses besonderen Theaterexperiments.
Datum: 13.12.2026
Uhrzeit: 18:00 Uhr, Einlass: 17:45 Uhr
Ort: Kulturbunker Köln
Adresse: Berliner Str. 20, 51063 Köln
Im Anschluss an die Aufführung findet ein Nachgespräch mit den Künstler:innen der Aufführungsreihe statt.
Der Gewinn fließt in gemeinnützige Projekte, an die Initiative Woman Life Freedom Unity für ihr Projekt „Nie wieder leise“ sowie in den Kurzfilm „KATÝ: ein Tag im Leben einer jungen Iranerin“
Triggerwarnung: In einigen Szenen werden Themen wie Tod, Mord und Suizid behandelt. Die Darbietung erfolgt in sprachlicher Form.



